In Seminaren zum Thema Pressearbeit kann man schnell große Verwunderung auslösen: »Ach so! Die dürfen meine ›eingereichten‹ Texte einfach ändern oder wegwerfen!« und »Ach echt, die Anzeigenabteilung ist getrennt von der Redaktion?«. Deshalb erzähle ich immer wieder gerne und zu allen Gelegenheiten: Eine seriöse Zeitungsredaktion ist nur den Interessen ihrer Leser*innen verpflichtet. Für sie nehmen sie die Funktion des ›Gatekeepers‹ war, also des Torwächters, der darüber wacht, dass nur relevante Informationen gedruckt werden. Und ja: Um seriösen Journalismus zu gewährleisten, sollte es eine Mauer zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung geben. Ohne Tür. Seriöse Zeitungsredaktion befolgen darüber hinaus einen Kodex, der es ausschließt, dass ›zufällig‹ die Anzeigenabteilung bei Ihnen anruft, gerade nachdem sie an die Redaktion eine Pressemitteilung geschickt haben.
Auch wenn heute viel über Social Media läuft: Seriöse Pressearbeit ist für viele Unternehmen immer noch ein wichtiger Baustein der Unternehmenskommunikation.
Die Medien gut informieren
Was Journalisten von Pressemitteilungen erwarten
Jede Menge Aussendungen an die Presse landen sofort im Papierkorb. Viele habe es verdient. So verfassen und versenden Sie eine Pressemitteilung, die auch gelesen wird:
1: Nachrichtenwert
Für Journalisten hat Nachrichtenwert, was aktuell, für ihre Leser interessant und nachprüfbar ist. Sie suchen neue oder ungewöhnliche Informationen. Ihr Ziel ist nicht, die Wünsche der Absender einer Presseinformation zu berücksichtigen, sondern die ihrer Leser.
2: Relevanz
Was interessiert Leser, was ist relevant? Der Journalist fungiert als Gatekeeper – als Torwächter, der alle Ereignisse und Nachrichten daraufhin überprüft, ob sie für seine Leser wichtig sind. Auf seiner Prüfliste stehen unter anderem: Aktualität, Nähe des Ereignisses zum Leser, Folgenschwere, öffentliche Bedeutung, Dramatik, Konflikt, Kuriosität, Fortschritt und „human interest“.
3: Dreieck-Regel
Nachrichten folgen dem Aufbau des so genannten Nachrichtendreiecks. Sie sind nicht chronologisch geordnet, sondern folgen dem Prinzip der abgestuften Wertigkeit. Also:
Das Wichtigste zuerst, Details und Hintergründe folgen, jeder folgende Aspekt ist weniger wichtig als sein Vorgänger.
4: Sieben-W-Regel
Wer – Was – Wann – Wo – Wie. Diese fünf Fragen, die so genannten „Fünf W“, sollte der erste Satz beziehungsweise die ersten Sätze beantworten. W Nummer Sechs fragt „Woher“, also nach der Quelle der Nachricht, und das letzte W „Warum“, also nach den Hintergründen.
5: Keine Werbung
Vermeiden Sie Texte mit Werbecharakter, also alle Formulierungen aus der Imagebroschüre, werbliches Blabla und Selbstlob. Bieten Sie sachliche Informationen einfach, klar und verständlich.
6: Fakten, Fakten, Fakten
Abstrakte Erläuterungen und langatmige Hintergründe bringen nichts. Arbeiten Sie mit anschaulichen Beispielen, bieten Sie Fakten, Vergleiche und Zitate. Fremdwörter und Fachbegriffe vermeiden; wenn das nicht geht, unbedingt kurz erläutern.
7: 17-Wörter
Keiner Ihrer Sätze sollte länger als 14 bis 17 Wörter sein. Gerne auch mal einer deutlich kürzer. Schreiben Sie überwiegend in Hauptsätzen, vermeiden Sie Schachtelsätze und Passiv-Konstruktionen.
8: Konventionen
Machen Sie sich mit journalistischen Konventionen vertraut: „Herr Müller“ ist immer Klaus Müller, „Frau Schmidt“ Helga Schmidt. Die Ziffern 1 bis 12 werden immer ausgeschrieben, ebenso Euro, Prozent, Million und Kilogramm. Etc., o.ä., ca., u.v.a.m. oder bzw. existieren nicht.
9: Ansprechpartner
Vergessen Sie ganz oben oder ganz unten nicht den Absender der Presseinformation. Nennen Sie Ansprechpartner, Telefonnummer, vollständige Adresse und Mail-Adresse. Stellen Sie sicher, dass der genannte Ansprechpartner auch für die Journalisten erreichbar ist.
10: Mail-Etikette
Verschicken Sie nicht unaufgefordert riesige Fotodaten und keine Dateianhänge aus unüblichen Programmen. Beschriften Sie Text- und Fotodaten mit eindeutigen, sprechenden Namen und nicht mit undefinierbaren Nummern. Schreiben Sie eine inhaltliche Information in die Betreffzeile und nicht »Pressemitteilung«.
Seminare zum Thema Pressearbeit:
»… mit der Bitte um ein Belegexemplar!«
Ein Workshop über die Dos und Don‘ts der Pressearbeit. Wie und wann sollte man Kontakt zur Redaktion aufnehmen? Welche Information hat die Chance auf einen Abdruck? Wollen Journalisten und Journalistinnen eingeladen und beschenkt werden? Wie ist ein Presseinformation aufgebaut und formuliert?
»Wenn Sie ein Adjektiv sehen, töten Sie es.«
Das hat der große amerikanische Schriftsteller Mark Twain gesagt. Aber haben wir nicht im Deutschunterricht gelernt, dass es die Adjektive sind, die einen Text bildhaft und ›lebendig‹ machen? Wir räumen mit dieser und einigen anderen Schreib-Regeln auf und lernen bessere kennen.