ausgeschlachtet

Wörter schweben, Bilder leuchten – Kunst und Kulturnacht im Alten Schlachthof

Im bureau remise sind die Plakate, Broschüren und Banner für »ausgeschlachtet« im Jahr 2019 entstanden. Gemeinsam haben die Kolleginnen und Kollegen aus dem bureau damals eine ganze Wand voller Ideen und Entwürfe entwickelt. Inspiriert zu der blauen Luftballon-Wurst, die schließlich das Rennen machte, hat uns der »Balloon Dog« von Jeff Koons. Wegen Corona musste die Veranstaltung abgesagt werden, 2022 kam unsere blaue Wurst für die Veranstaltung »schwein gehabt« dann aber doch noch zum Zug. Weit über 100 Kreativbetriebe und Veranstaltungszentren präsentierten bei der Kunst- und Kulturnacht Bildende Kunst und Musik, Party, Film, Theater und vieles mehr und brachten den Alten Schlachthof zum Schweben und Beben.

Als Journalistin konnte ich zuvor für den Ausstellungskatalog noch ein Interview mit Aria Blu führen, der blauen Wurst, die für unsere Plakate Model gestanden hatte. Unten können Sie das komplette Interview lesen.

Kunst- und Kultur­veranstaltungen ›aus­geschlachtet ›und ›schwein gehabt‹ im Alten Schlachthof

Plakate, Postkarten, Katalog, Broschüren und Banner 

2019 entwickelt, 2022 nach Corona realisiert

gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem bureau remise

Die Wurst im Gespräch

»Irgendwann ist die Luft einfach raus«

Kurz vor der Kulturnacht 2022 traf das bureau remise noch einmal Aria Blu, die als Wurst-Covermodel seit 2019 die Werbemedien des Vereins ausgeschlachtet e.V. wesentlich geprägt hat. Im Gespräch berichtet sie über ihren Werdegang und die Situation im Model-Geschäft. 

Liebe Wurst – ich hoffe, ich darf Sie so nennen – Sie sind seit 2019 das Cover-Model für die Veranstaltungen im Alten Schlachthof. Wie kam es dazu?
Ich habe damals an einem Casting teilgenommen und wurde von einer Jury ausgewählt, ich nehme an, weil ich unter allen Bewerber*innen einfach die beste Performance geboten habe. Das Fotoshooting war dann eine ziemliche Herausforderung, weil es darum ging, eine runde Position möglichst entspannt und selbstverständlich darzustellen. Das war hart, aber am Ende waren alle sehr zufrieden und es ist eine gute Kampagne entstanden. 

Sie hatten zuvor schon viel Erfahrung im Model-Geschäft?
Ja, ich habe schon während meines Philosophie-Studiums gemodelt und mich nach dem Abschluss am KIT ganz auf diese Karriere konzentriert. Ich habe dann einige Zeit mit dem amerikanischen Künstler Jeff Koons zusammengearbeitet, aber auch aufmerksamkeitsstarke Kampagnen für skandinavische Möbelhersteller, amerikanische Think Tanks und die europäische Raumfahrtagentur ESA fotografiert.

Darf man fragen, wie sich die Situation im Model-Geschäft durch Corona verändert hat?
Wie für so viele Kunstschaffende war das auch für meine Freunde und mich eine schwierige Zeit. Die zugesagte Unterstützung kam nicht so, wie versprochen und viele von uns mussten schon ziemlich die Luft anhalten, um durch diese Zeit zu kommen. Ich persönlich habe natürlich in gewisser Weise von meinem Engagement bei ausgeschlachtet profitiert … ohne Corona wäre ich hier ja schon nach zwei Jahren abgelöst worden, so wie meine gute Freundin Pink, das rosa Schwein. 

Ich hoffe, Sie nehmen diese Frage nicht übel, aber auf den Alten Schlachthof wird ja schon lange nicht mehr geschlachtet. Sind Sie denn nun aus Fleisch, oder was sind Sie genau?
Ich bin vegan und divers, und das war ein wichtiges Kriterium für meine Verpflichtung. Unsere Botschaft lautet ›Es ist nicht alles Fleisch, was zwei Zipfel hat‹, und blaue Würste freuen sich auch, wenn sie von Ihren Freunden zum Grillen eingeladen werden. Denn unser Leben ist kurz und irgendwann ist die Luft einfach raus. Ich kann bei der Kulturnacht diesmal leider nicht persönlich anwesend sein, aber ich wünsche alle Besucherinnen und Besuchern sehr herzlich tolle Momente und einen wunderbaren Abend.

Liebe Wurst, wir bedanken uns sehr herzlich für das Gespräch und sagen alles Gute für Ihre weitere Zukunft. 

Wohlige Töne

Zehn Tipps für eine überzeugende Rede

von Sigrid Frank-Eßlinger

Eine Rede ist mehr als Text, den zufällig jemand spricht. Sie soll die Zuhörer informieren, aber auch berühren, sie soll aufrütteln, begeistern und mitnehmen. Dazu braucht es das richtige Thema, gute Worte und eine überzeugende Dramaturgie. Und eine*n Redner*in, die zugleich gelassen und konzentriert ihr Bestes gibt und auch Stimme, Sprache und Körpersprache gekonnt einsetzt.

1: Wie bei allen Auftritten, steht am Anfang die Frage nach den Zuhörer*innen. Wer sind sie? Wie sind sie? Was nützt ihnen und was wollen Sie als Redner*in erreichen? Je klarer Sie sich darüber sind, desto besser können Sie Ihren Vortrag darauf abstimmen und desto präsenter und authentischer werden Sie beim Reden wirken. Eher steife, förmliche und didaktische Vorlesungen sind nicht mehr sehr in. Stattdessen sollten Sie sich (fast) so natürlich geben, als würden Sie eine Unterhaltung unter Freund*innen führen. 

2: Der Körper führt – die Stimme folgt. Wer möglichst gelassen und entspannt wirken will auf dem Podium, und das ganze Spektrum seiner Stimme ausnutzen möchte, muss für ein gutes Körpergefühl sorgen. Wenn sich der ganze Körper vor Anspannung verkrampft, kann man nicht mehr gut atmen, sich nur schwer frei bewegen und mit voller Stimme sprechen. Deshalb ist Lockern und Aufwärmen wichtig. Sportlich in den Knie wippen oder den Oberkörper abklopfen bringt den Kreislauf in Schwung. Der Körper sollte sich durchlässig anfühlen. Die Knie nicht durchdrücken und die Schultern nicht hochziehen.

3: So wie den Körper, müssen wir auch (ohne Zuschauer) die Stimme und die Sprechwerkzeuge aufwärmen: Ein paar kleine Dreh- und Dehnübungen für den Hals, dann mit der Zunge von innen den Mundraum massieren und mit den Lippen brummen wie ein Flugzeug. Vokale geben der Sprache Emotionen, Konsonanten machen sie präzise und gut verständlich. Beides übt man vor der Rede ein bisschen: Sagen Sie mehrmals „Wohlige Töne – warme Klänge“ und lassen Sie dabei alle Vokale lang und warm klingen. Für die Konsonanten sagen Sie mehrmals schnell, aber sehr präzise „Apotheke – Pepotheke – Opotheke“.*)

4: Zum Sprechen vor Publikum brauchen Sie nicht mehr Luft, als sonst auch. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie bei Vorträgen leicht atemlos beziehungsweise kurzatmig werden, hat das eher mit der körperlichen Anspannung zu tun und damit, dass Sie nicht ausreichend ausatmen. Lockern Sie Ihre Schultern und pressen Sie die Oberarme nicht an den Oberkörper. Atmen Sie möglichst tief und langsam aus und lassen Sie das Einatmen einfach zu. Das hilft übrigens auch gegen zu viel Adrenalin. Hektisches Einatmen verstärkt hingegen die Adrenalinausschüttung.

5: Wissen Sie, welches Ihre Normalsprechlage, also Ihre angeborene, zu Ihnen passende Stimmhöhe ist? Aufregung, Nett-Sein-Wollen oder Angewohnheit führen – besonders häufig bei Frauen – dazu, dass sie höher sprechen als es ihrer Sprechlage entspricht. Diese veränderte Stellung des Kehlkopfes kann aber dazu führen, dass wir schnell heiser werden oder sogar die Stimme beschädigen. Denken Sie mal an Ihren Lieblingskuchen und machen Sie aus tiefen Herzen mit geschlossenen Lippen „mmmmh“. Ungefähr da liegt ihre Normalsprechlage. 

6: Ein*e Zuhörer*in kann für etwa acht Sekunden einem Satz folgen. Für Redner*innen bedeutet das, dass sie möglichst nach dieser Zeit jeden Satz abgeschlossen haben sollten. Acht Sekunden – da s reicht höchstens für zwölf bis 15 Worte. Also einen Hauptsatz mit einem Nebensatz. Und dann Schluss. Das entspricht auch der Idee, in jedem Satz eine Information beziehungsweise einen Sinnzusammenhang zu sagen. Und die nächste Information kommt erst in den nächsten Satz.

7: Kürzere Sätze zu sprechen hat auch einen positiven Effekt auf das Sprechtempo. Wer zu schnell spricht, gibt seinen Zuhörern nicht genug Gelegenheit, zu folgen und mitzudenken. Deshalb ist es sinnvoll, nicht zu schnell zu sprechen. Das Sprechtempo zu reduzieren darf aber nicht bedeuten, Worte und Sätze wie Kaugummi in die Länge zu ziehen. Langsam sprechen bedeutet viel mehr, jeden (Acht-Sekunden-)Satz in normalem Sprachduktus zu sprechen, und dann – vor dem nächsten – eine Sekunde Pause zu machen.

8: Sie möchten weniger „äh“ sagen, wenn Sie sprechen? Oder sagen Sie stattdessen „okay“, „genau“ oder „hm“? Womöglich haben Sie schon gemerkt, dass es wenig nützt, sich darauf zu konzentrieren, den Verzögerungslaut zu vermeiden. Denn er entsteht, wenn wir mitten in einem – zu langen – Satz darüber nachdenken, was wir als nächstes sagen wollen und wie unser Satz weitergehen könnte. Deshalb hilft es auch gehen das äh-Sagen, sich daran zu gewöhnen, kurze Sätze mit kleinen Pausen dazwischen zu sprechen. 

9: Es gibt nichts einzuwenden, wenn Sie eine Rede planen, strukturieren und sie komplett aufschreiben. Das kommt besonders den ersten und den letzten Sätzen zugute, auf die man besondere Aufmerksamkeit verwenden sollte. Diese komplett aufgeschriebene Rede können Sie dann mehrmals lesen und auch laut üben, dadurch prägt sich der Text gut ein. Zum Vortrag nehmen Sie den ausformulierten Text aber nicht mit. Hierfür verwenden Sie lediglich Stichworte, damit der Vortrag natürlich und nicht „vorgelesen“ klingt. 

10: Informieren Sie sich vor ihrem Vortrag über den Raum, in dem der Vortrag stattfindet, und und über die Technik, die zur Verfügung steht. Wenn möglich, probieren Sie den Weg aufs Podium und den Blick vom Podium ins Publikum. Machen Sie sich klar, wo überall später Ihre Zuhörer*innen sitzen werden, die Sie mit Blicken und mit Ihrer Stimme erreichen müssen. Und wenn Sie einen Beamer und ein Mikrofon benutzen, achten Sie darauf, dass die Technik in Ordnung ist und Sie wissen, wie alles funktioniert. 

*) Übungen nach Nikolaus Drebinger

Schweine­prinzessin

»Schweineprinzessin«

feine Papeterie mit frechen Sprüchen

gemeinsames Projekt von
Maria Karipidou, Illustration, Grafic Recording
Susy Schafheutle, Grafikkonzepte
Sigrid Frank-Eßlinger, Text und Konzept

Prinzessin ist Silber, Schwein ist Gold

Okay, es klingt nach Koketterie zu behaupten, das Label Schweineprinzessin sei eher zufällig entstanden. Aber ehrlich: So war es. Wir hatten alle drei unser Büro beziehungsweise Atelier im Alten Schlachthof in Karlsruhe, der seit etwa 15 Jahren Schritt für Schritt in ein Kultur- und Kreativareal umgenutzt wird. Und wenn dann eine Illustratorin, eine Grafikerin und eine Texterin beim Kaffee oder beim Mittagessen zusammensitzen, in Gebäuden, die früher mal der Schweinestall waren, die sogenannte Fettschmelze oder die Fleischmarkthalle, dann kommen sie natürlich auf Ideen. Eine davon: die Schweineprinzessin. Unter diesem Label haben wir dann ein Jahr lang selbstgezeichnete und getextete Neon-farbene Postkarten mit frechen Sprüchen, Notizheftchen und Geschenkpapier vertrieben.

Lehre

BEWEGEN – BELEHREN – ERFREUEN

2005 bis 2015 und 2020 bis 2023 THWS Würzburg Fakultät Gestaltung, Lehrgebiet Text und Rhetorik

2007 bis 2015 HfG Pforzheim
Fakultät Gestaltung, Kurse Werbung und Text, Rhetorik-Kurse und Bachelor-Betreuung

2013 bis 2018 Akademie für Kommunikation, Karlsruhe Berufskolleg Grafik Design, Kurs Werbung und Text

2015 Hochschule Pforzheim
Fakultät Wirtschaft & Recht Kurs Corporate Communication/
Textgestaltung

2020 bis 2022 Hochschule Augsburg
Fakultät für Gestaltung, Seminar Text

2025 Onlineschule für Gestaltung
Überarbeitung und Weiterentwicklung des Kurses Grafik-Design gemeinsam mit Karin Meyer-Hausner

Storytelling – das derzeit rauf und runter gelehrt wird – schien noch vor einer Weile ein relativ neues Sprech- und Schreibkonzept zu sein. Aber schon die alten Römer wussten in ihrer Officia Oratoris, was die Aufgaben des Redners sind: movere, docere und delectare – also bewegen, belehren und erfreuen. Daran kann sich die Lehre von Sprache, Text und Rhetorik für angehende Kommunikationsdesigner bedenkenlos orientieren.

„Die Sprache ist die Infrastruktur im Land des Denkens.“ Rainer Kohlmeyer

Sprache ist eine unserer wichtigen Möglichkeiten zu kommunizieren. Textarbeit ist die bewusste Gestaltung sprachlicher Kommunikation – mündlich und schriftlich. Die beiden Aspekte Wirkung und Interaktion sind dabei zentral. Mit Text halten wir inne und beziehen Position. Lernen, die Adressatenposition einzunehmen, komplexe Prozesse zu verstehen und zu erklären, können Struktur und Strategie entwerfen und kommentieren. Sprache unterstützt kognitive und soziale Prozesse. 

Textkompetenz in den ersten Semestern heißt für mich, Textarten und ihre Charakteristika zu erkennen und selbst auszuprobieren, Ziele und Zielgruppen zu definieren und alle denkbaren Einsatzmöglichkeiten zu diskutieren und zu probieren. Eigene und fremde Texte geben Gelegenheit, über Sprachstile und -qualität zu sprechen. Im Themenbereich Rede und Präsentation lernen die Studierenden auch, die Wirkung von Sprachstilen, Gestik, Stimme oder Stehpositionen zu beobachten, können sie selbst ausprobieren und einen eigenen Stil entwickeln.

In den höheren Semester geht es darum, auf dieser Basis konzeptionell weiterzuarbeiten, selbständig Stil und Textsorten medien- und zielgruppengerecht auszuwählen und zu gestalten und komplexere Kommunikationsprojekte zu entwickeln. Dazu ist es wichtig, die Beziehung von Text, Medienform und Gestaltung erkennen, Textstilen sicher Einsatzmöglichkeiten und Gestaltungskriterien zuordnen und Entwürfe und Konzepte bewerten zu können. Semesterprojekte ermöglichen sowohl konzeptionelle wie textlich-sprachliche Spezialfelder. 

Ich unterrichte gern, leidenschaftlich und wertschätzend. Es ist mir wichtig, Studierende in die Lage zu versetzen, Texte fundiert analysieren und bewusst gestalten zu können; sie zu sensibilisieren und zu  begeistern für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Schrift und Sprache. Dabei lege ich gleichviel Wert auf praktische Methodenkompetenz und konzeptioneller Arbeit wie auf selbständiges Ausprobieren. Die Verbindung von textlicher, visueller und technischer Gestaltung ist für mich integraler Bestandteil des Lehrgebiets, deshalb halte ich eine Vernetzung mit allen anderen Disziplinen sowie Kooperationsprojekte in höheren Semestern für sinnvoll und notwendig. 

Stadtwerke Karlsruhe

Stadtwerke Karlsruhe

Kundenmagazin miteinander

– 2019 Durlacher Allee, Geschichte einer Straße

– 2019 Baumpflanzaktion, Stadtwerke-Kunden pflanzen Bäume für das Lutherisch Wäldele

– 2022 Familie kann so vieles sein, über die Pluralität von Familien. Zusätzlich Interview mit dem Leiter des Kinderbüros Jonas Nees

– 2023 Wilder Wald, Reportage aus dem Nationalpark Nordschwarzwald

Beiträge für das Kundenmagazin miteinander

Die Geschichte der Durlacher Allee recherchieren und aufbereiten, mit dem Leiter des Karlsruher Kinderbüros über Familien und ihre Bedürfnisse sprechen, oder mit dem Pilzexperten des Nationalparks durch den Schwarzwald wandern: Die Aufträge der Stadtwerke Karlsruhe für ihr Kundenmagazin sind abwechslungsreich und immer wieder überraschend. Und es macht Spaß, sich mit neuen Themen zu befassen und sie dann interessant aufzubereiten.

Neue Bäume für Karlsruhe

Seit 2007 führen die Stadtwerke Karlsruhe ihre Kunden einmal im Jahr in den Wald. Oder sagen wir: Auf Lichtungen, auf denen künftig wieder neuer Wald wachsen soll. Kunden, die sich in den Monaten zuvor für NaturStrom der Stadtwerke entschieden haben, sind dann eingeladen, einen Baum zu pflanzen und so noch zusätzlich zum guten Klima und der Reduzierung von Kohlendioxid in Karlsruhe beizutragen. Denn Bäume können viele Jahrzehnte alt werden und sorgen lange für gesunde Luft. Ihre Blätter geben Sauerstoff ab und nehmen Kohlendioxid (CO2) auf.Jeder Hektar Wald bindet im Jahr rund zehn Tonnen CO2

2019 bezogen schon fast 10.000 Karlsruher Haushalte Ökostrom von den Stadtwerken und Ende März war es wieder soweit: Neue Ökostromkunden pflanzten junge Bäume in Daxlanden. Im ›Lutherisch Wäldele‹, auf einer Aufforstungsfläche neben der Alb, warteten Spaten, junge Eichen-, Erlen- und Ulmen-Setzlinge und Mitarbeiter der Forstverwaltung auf die Besucher. Sie boten den Baumpflanzern ihre fachmännische Unterstützung an und stellten später die Aufforstung der insgesamt 1.050 jungen Bäume fertig. 335 der 1.900 neuen NaturStrom-Kunden hatten in diesem Jahr die Einladung angenommen, einen Baum zur Verbesserung der CO2-Klimabilanz zu pflanzen und brachten gemeinsam mit ihren Familien, Freunden oder Kollegen die Setzlinge in die Erde. Selbstbeschriftete Holzschilder an den jeweiligen Standorten sollten später helfen, das eigene Bäumchen im Wald zu besuchen. Anschließend gab es die Möglichkeit für einen Imbiss, Kinderspiele und gemütliches Beisammensitzen 

Im Auftrag der Stadtwerke war ich bei der Baumpflanzaktion dabei und habe mit Familien und jungen Paaren gesprochen. Was sie motiviert und was Ihnen bei dieser ökologischen Aktion wichtig ist, kann man nachlesen im Artikel Baumpflanzaktion.

Bäume und Pilze: Wilder Wald

Seit Jahrtausenden wandelt sich der Schwarzwald ständig: Mal dominieren Kiefern und Eichen, mal Tannen und Buchen. Mal wird der Wald lichter, mal wächst er dicht, mal verschwindet er ganz. So passt er sich an natürliche Klimaschwankungen an, die es über die Zeit immer wieder gibt. Neben den Bäumen, Büschen, Farnen und Blumen existiert im Nationalpark aber auch eine riesige, unsichtbare Welt voller eigentümlicher Formen und Lebensweisen. Einige von ihnen sind gerade noch erkennbar, andere nur unter dem Mikroskop zu sehen. Dazu gehört neben kleinen Insekten, Moosen und Pilzen auch eine riesige Zahl an Mikroorganismen. Sie leben im Moos, in der Streu, im Kot, im Totoholz, im Boden und im Wasser. Dieser Kosmos kleinster Lebewesen hält den Laden auf Laufen, denn sie zersetzen Biomasse und machen sie für andere Organismen wieder verfügbar (Infos aus der Dauerausstellung im Nationalparkzentrum).

2023 war ich mit der Fotografin Anne-Sophie Stolz im Auftrag der Stadtwerke Karlsruhe im Nationalpark Schwarzwald. Hier hat uns der Sachbereichsleiter Mykologie und Bodenökologie Dr. Flavius Popa gezeigt und erklärt, wie die Bäume im Nationalpark in einer engen Gemeinschaft mit Partnerpilzen leben. Zwischen den Baumwurzeln und den Pilzfäden unter unseren Füßen gibt es nämlich erstaunlich komplexe Wechselwirkungen: Pilze sind nicht in der Lage, wie Bäume Zucker aus dem Kohlendioxid der Luft herzustellen, können stattdessen aber viel besser Wasser und Nährstoffe aus dem Boden lösen. Beides liefern die Partnerpilze an die Bäume und erhalten im Gegenzug vom Baum einen Teil des produzierten Zuckers. Zusätzlich verbinden die Pilzfäden die Wurzeln unterschiedlicher Bäume im Wald und ermöglichen so den Austausch von Zucker und auch Botenstoffen zwischen den einzelnen Bäumen. Mehr dazu im Text »Wilder Wald« im Stadtwerkemagazin »gemeinsam«, Schwarzwald.

Grüße zum Jahres­wechsel

Seit über 15 Jahren denken die Grafikerin Susy Schafheutle und ich uns jedes Jahr gemeinsam unsere Grußkarten zum Jahreswechsel aus, die wir dann – very oldstyle – drucken lassen und per Post verschicken. Dabei geht es auch jedesmal um schönes Papier, Druck-, Stanz- und Veredelungstechniken. Aber im Laufe der Jahre sind wir immer mehr dazu gekommen, zusätzlich zu den Grüßen auch eine – liebevoll oder witzig verpackte – politische Botschaft zu senden.

Reden zum Jahres­abschluss

Sie gehören zu denen, die zu Weihnachten eine Ansprache vor Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern halten? Als Auftakt des gemeinsamen, festlichen Weihnachtsessen, vor dem „Wichteln“ oder ganz entspannt bei Glühwein und Weihnachtsplätzchen? Wer dann den „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm noch auswendig kann, macht zumindest wenig falsch.  Dennoch gibt wohl nur wenige Situationen, in denen Chefin oder Chef mit Gewinn für alle ein Gedicht aufsagen sollte. 

Aber: Man muss ja nicht immer reden, oder? Und schon gar nicht an Weihnachten. Solche Ansprachen sind doch ziemlich überschätzt, oder? Oder sollten es vielleicht doch ein ausführlicherer Überblick über die Umsatzzahlen im abgelaufenen Jahr sein? Vielleicht eine kleine aber nachdrückliche Ermahnung, dass so manches im nächsten Jahr besser werden muss?

Was also tun? Reden oder nicht reden? Und wenn ja, was und wie? Hier sind einige Tipps für Kurzentschlossene.

1: Eine Rede im Jahr – das reicht nicht und gilt auch nicht als sinnvolles Konzept für die Mitarbeiterkommunikation. Eine kleine Ansprache zu Weihnachten ist bestenfalls das Sahnehäubchen auf einer kontinuierlich offenen und wertschätzenden Kommunikation. Und dann gilt: Wenn die Mitarbeiter*innen sowieso ständig auf dem Laufenden sind über Personalien, Projekte und die Umsätze, genügen ein paar nette Sätze der Anerkennung und des Danks zu Weihnachten. 

2: Wenn es doch ein bisschen mehr Information sein soll: Bereiten Sie sich gut vor, lassen Sie das Jahr ehrlich Revue passieren und überlegen Sie vorab, welche Projekte und Aktivitäten für die Abteilung, den Bereich oder das Unternehmen wichtig waren. Details interessieren zu Weihnachten kaum jemanden, hingegen ist es für viele Kolleginnen und Kollegen interessant, wenn die oder der Vorgesetzte Neuentwicklungen oder Strukturveränderungen erläutert, einordnet und Hintergründe erklärt. 

3: Wie bei allen Reden steht am Beginn der Vorbereitung die Frage nach dem Publikum. Ist es ein kleiner Kreis, der das ganze Jahr über eng zusammen arbeitet, oder die ganze „Mann- und Frauschaft“? Überlegen Sie dann, welche Highlights des Jahres genannt werden können. Woran erinnern sich alle Anwesenden gerne? Welches waren die größten Erfolge, und gibt es Enttäuschungen, die nicht verschwiegen werden dürfen? 

4: In eine Rede gehören Emotionen. Reine Daten-und-Fakten-Referate berühren die Zuhörer*innen nicht und bleiben auch nicht im Gedächtnis. Gemeinsame Anstrengungen, besonderes Engagement, Herausforderungen, die alle gemeinsam gemeistert haben – sie verbinden die Mitarbeiter*innen und schaffen positive Erinnerungen, aus denen sich schöpfen lässt, wenn wieder einmal Not am Mann oder der Frau ist. 

5: Wünsche und Ziele für das kommende Jahr verbindet die Rednerin oder Redner am besten mit einer Würdigung und Anerkennung des bisher geleisteten sowie einem Dank an die Mitarbeiter*innen. Dabei kommt es auf das richtige Maß an. Probleme sollten nicht unter den Teppich gekehrt, sondern angesprochen werden, Ermahnungen oder gar Schuldzuweisungen gehören aber in keinem Fall in die Weihnachtsansprache. 

6: Vergessen Sie niemanden. Wenn gelobt wird, möchte jeder seinen gerechten Teil davon abbekommen. Und wer – womöglich aus Unachtsamkeit – nicht erwähnt wird, fühlt sich missachtet und seine Leistungen nicht anerkannt. Das kann ganze Teams demotivieren und im kommenden Jahr zu enttäuschenden Ergebnissen führen. Haben Sie übrigens auch mal an die eigene Sekretärin, den Assitenten oder das Team der Kantine gedacht?

7: Faustregel: Je unbequemer die Situation, desto kürzer die Rede. Wenn also alle Hunger haben oder stehen müssen, sollten Sie es kurz machen. Wenige Minuten reichen hier. Möchten Sie zehn oder 15 Minuten sprechen, sorgen Sie für Bequemlichkeit und starten Sie erst nach der Vorspeise oder wenn alle schon ein Stück Stollen gegessen haben. Wenn Sie im Restaurant ein Menü essen, denken Sie daran, die Küche, beziehungsweise den Service über Ihren Redewunsch zu informieren. 

8: Wie für andere Reden gilt auch hier: Lesen Sie möglichst nicht Wort für Wort ab, sondern machen Sie sich Stichworte, legen Sie das Blatt auf den Tisch, um bei Bedarf kurz einen Blick darauf zu werfen, und sprechen Sie dann so, als würden Sie sich – ganz persönlich – an eine*n einzelne*n Mitarbeiter*in wenden. Achten Sie darauf, Blickkontakt zur ganzen Tischrunde oder in alle Bereiche des Raums aufzubauen. 

9: Sprechen Sie auf Augenhöhe. Vermeiden Sie Belehrungen oder Ansagen von oben herab. Ein bisschen Demut, eine Prise Selbstironie und ein Schuss Humor haben noch keinem Chef und keiner Chefin geschadet. Aber bleiben Sie authentisch: Wer auch sonst eher nüchtern auftritt, sollte sich jetzt nicht mutwillig als Witzbold präsentieren. 

10: Nur zur Erinnerung: Für jede Rede gilt es, aktiv zu formulieren, Bürokratendeutsch zu vermeiden, bildhaft, lebendig und mit zahlreichen Beispielen zu sprechen und persönlich und konkret zu sein. Eher kurzen Sätze können die Zuhörer besser folgen, Schachtelsätze sind schnell unverständlich und bergen die Gefahr, dass der Redner sich im eigenen Satz verheddert. Legen Sie besondere Sorgfalt auf den Einstieg und den Schluss Ihrer Rede und denken Sie schon vorher über einen gefühlvollen oder vergnüglichen Schlusssatz nach. 

Und wenn Ihnen für diesen Schlusssatz nichts richtig Gutes einfällt, dann greifen Sie eben doch auf den Knecht Ruprecht zurück. Nur Mut, der richtige Dreh wird Ihnen schon einfallen.