Zehn Tipps für eine überzeugende Rede
von Sigrid Frank-Eßlinger
Eine Rede ist mehr als Text, den zufällig jemand spricht. Sie soll die Zuhörer informieren, aber auch berühren, sie soll aufrütteln, begeistern und mitnehmen. Dazu braucht es das richtige Thema, gute Worte und eine überzeugende Dramaturgie. Und eine*n Redner*in, die zugleich gelassen und konzentriert ihr Bestes gibt und auch Stimme, Sprache und Körpersprache gekonnt einsetzt.
1: Wie bei allen Auftritten, steht am Anfang die Frage nach den Zuhörer*innen. Wer sind sie? Wie sind sie? Was nützt ihnen und was wollen Sie als Redner*in erreichen? Je klarer Sie sich darüber sind, desto besser können Sie Ihren Vortrag darauf abstimmen und desto präsenter und authentischer werden Sie beim Reden wirken. Eher steife, förmliche und didaktische Vorlesungen sind nicht mehr sehr in. Stattdessen sollten Sie sich (fast) so natürlich geben, als würden Sie eine Unterhaltung unter Freund*innen führen.
2: Der Körper führt – die Stimme folgt. Wer möglichst gelassen und entspannt wirken will auf dem Podium, und das ganze Spektrum seiner Stimme ausnutzen möchte, muss für ein gutes Körpergefühl sorgen. Wenn sich der ganze Körper vor Anspannung verkrampft, kann man nicht mehr gut atmen, sich nur schwer frei bewegen und mit voller Stimme sprechen. Deshalb ist Lockern und Aufwärmen wichtig. Sportlich in den Knie wippen oder den Oberkörper abklopfen bringt den Kreislauf in Schwung. Der Körper sollte sich durchlässig anfühlen. Die Knie nicht durchdrücken und die Schultern nicht hochziehen.
3: So wie den Körper, müssen wir auch (ohne Zuschauer) die Stimme und die Sprechwerkzeuge aufwärmen: Ein paar kleine Dreh- und Dehnübungen für den Hals, dann mit der Zunge von innen den Mundraum massieren und mit den Lippen brummen wie ein Flugzeug. Vokale geben der Sprache Emotionen, Konsonanten machen sie präzise und gut verständlich. Beides übt man vor der Rede ein bisschen: Sagen Sie mehrmals „Wohlige Töne – warme Klänge“ und lassen Sie dabei alle Vokale lang und warm klingen. Für die Konsonanten sagen Sie mehrmals schnell, aber sehr präzise „Apotheke – Pepotheke – Opotheke“.*)
4: Zum Sprechen vor Publikum brauchen Sie nicht mehr Luft, als sonst auch. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie bei Vorträgen leicht atemlos beziehungsweise kurzatmig werden, hat das eher mit der körperlichen Anspannung zu tun und damit, dass Sie nicht ausreichend ausatmen. Lockern Sie Ihre Schultern und pressen Sie die Oberarme nicht an den Oberkörper. Atmen Sie möglichst tief und langsam aus und lassen Sie das Einatmen einfach zu. Das hilft übrigens auch gegen zu viel Adrenalin. Hektisches Einatmen verstärkt hingegen die Adrenalinausschüttung.
5: Wissen Sie, welches Ihre Normalsprechlage, also Ihre angeborene, zu Ihnen passende Stimmhöhe ist? Aufregung, Nett-Sein-Wollen oder Angewohnheit führen – besonders häufig bei Frauen – dazu, dass sie höher sprechen als es ihrer Sprechlage entspricht. Diese veränderte Stellung des Kehlkopfes kann aber dazu führen, dass wir schnell heiser werden oder sogar die Stimme beschädigen. Denken Sie mal an Ihren Lieblingskuchen und machen Sie aus tiefen Herzen mit geschlossenen Lippen „mmmmh“. Ungefähr da liegt ihre Normalsprechlage.
6: Ein*e Zuhörer*in kann für etwa acht Sekunden einem Satz folgen. Für Redner*innen bedeutet das, dass sie möglichst nach dieser Zeit jeden Satz abgeschlossen haben sollten. Acht Sekunden – da s reicht höchstens für zwölf bis 15 Worte. Also einen Hauptsatz mit einem Nebensatz. Und dann Schluss. Das entspricht auch der Idee, in jedem Satz eine Information beziehungsweise einen Sinnzusammenhang zu sagen. Und die nächste Information kommt erst in den nächsten Satz.
7: Kürzere Sätze zu sprechen hat auch einen positiven Effekt auf das Sprechtempo. Wer zu schnell spricht, gibt seinen Zuhörern nicht genug Gelegenheit, zu folgen und mitzudenken. Deshalb ist es sinnvoll, nicht zu schnell zu sprechen. Das Sprechtempo zu reduzieren darf aber nicht bedeuten, Worte und Sätze wie Kaugummi in die Länge zu ziehen. Langsam sprechen bedeutet viel mehr, jeden (Acht-Sekunden-)Satz in normalem Sprachduktus zu sprechen, und dann – vor dem nächsten – eine Sekunde Pause zu machen.
8: Sie möchten weniger „äh“ sagen, wenn Sie sprechen? Oder sagen Sie stattdessen „okay“, „genau“ oder „hm“? Womöglich haben Sie schon gemerkt, dass es wenig nützt, sich darauf zu konzentrieren, den Verzögerungslaut zu vermeiden. Denn er entsteht, wenn wir mitten in einem – zu langen – Satz darüber nachdenken, was wir als nächstes sagen wollen und wie unser Satz weitergehen könnte. Deshalb hilft es auch gehen das äh-Sagen, sich daran zu gewöhnen, kurze Sätze mit kleinen Pausen dazwischen zu sprechen.
9: Es gibt nichts einzuwenden, wenn Sie eine Rede planen, strukturieren und sie komplett aufschreiben. Das kommt besonders den ersten und den letzten Sätzen zugute, auf die man besondere Aufmerksamkeit verwenden sollte. Diese komplett aufgeschriebene Rede können Sie dann mehrmals lesen und auch laut üben, dadurch prägt sich der Text gut ein. Zum Vortrag nehmen Sie den ausformulierten Text aber nicht mit. Hierfür verwenden Sie lediglich Stichworte, damit der Vortrag natürlich und nicht „vorgelesen“ klingt.
10: Informieren Sie sich vor ihrem Vortrag über den Raum, in dem der Vortrag stattfindet, und und über die Technik, die zur Verfügung steht. Wenn möglich, probieren Sie den Weg aufs Podium und den Blick vom Podium ins Publikum. Machen Sie sich klar, wo überall später Ihre Zuhörer*innen sitzen werden, die Sie mit Blicken und mit Ihrer Stimme erreichen müssen. Und wenn Sie einen Beamer und ein Mikrofon benutzen, achten Sie darauf, dass die Technik in Ordnung ist und Sie wissen, wie alles funktioniert.
*) Übungen nach Nikolaus Drebinger