
Von drauß‘ vom Walde komm ich her…
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. Und allüberall in Weihnachtsfeiern, informieren Chefs, und manche verschleiern …
Sie gehören zu denen, die zu Weihnachten eine Ansprache vor Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern halten? Als Auftakt des gemeinsamen, festlichen Weihnachtsessen, vor dem „Wichteln“ oder ganz entspannt bei Glühwein und Weihnachtsplätzchen? Wer dann den „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm noch auswendig kann, macht zumindest wenig falsch. Dennoch gibt wohl nur wenige Situationen, in denen Chefin oder Chef mit Gewinn für alle ein Gedicht aufsagen sollte.
Aber: Man muss ja nicht immer reden, oder? Und schon gar nicht an Weihnachten. Solche Ansprachen sind doch ziemlich überschätzt, oder? Oder sollten es vielleicht doch ein ausführlicherer Überblick über die Umsatzzahlen im abgelaufenen Jahr sein? Vielleicht eine kleine aber nachdrückliche Ermahnung, dass so manches im nächsten Jahr besser werden muss?
Was also tun? Reden oder nicht reden? Und wenn ja, was und wie? Hier sind einige Tipps für Kurzentschlossene.
1: Eine Rede im Jahr – das reicht nicht und gilt auch nicht als sinnvolles Konzept für die Mitarbeiterkommunikation. Eine kleine Ansprache zu Weihnachten ist bestenfalls das Sahnehäubchen auf einer kontinuierlich offenen und wertschätzenden Kommunikation. Und dann gilt: Wenn die Mitarbeiter*innen sowieso ständig auf dem Laufenden sind über Personalien, Projekte und die Umsätze, genügen ein paar nette Sätze der Anerkennung und des Danks zu Weihnachten.
2: Wenn es doch ein bisschen mehr Information sein soll: Bereiten Sie sich gut vor, lassen Sie das Jahr ehrlich Revue passieren und überlegen Sie vorab, welche Projekte und Aktivitäten für die Abteilung, den Bereich oder das Unternehmen wichtig waren. Details interessieren zu Weihnachten kaum jemanden, hingegen ist es für viele Kolleginnen und Kollegen interessant, wenn die oder der Vorgesetzte Neuentwicklungen oder Strukturveränderungen erläutert, einordnet und Hintergründe erklärt.
3: Wie bei allen Reden steht am Beginn der Vorbereitung die Frage nach dem Publikum. Ist es ein kleiner Kreis, der das ganze Jahr über eng zusammen arbeitet, oder die ganze „Mann- und Frauschaft“? Überlegen Sie dann, welche Highlights des Jahres genannt werden können. Woran erinnern sich alle Anwesenden gerne? Welches waren die größten Erfolge, und gibt es Enttäuschungen, die nicht verschwiegen werden dürfen?
4: In eine Rede gehören Emotionen. Reine Daten-und-Fakten-Referate berühren die Zuhörer*innen nicht und bleiben auch nicht im Gedächtnis. Gemeinsame Anstrengungen, besonderes Engagement, Herausforderungen, die alle gemeinsam gemeistert haben – sie verbinden die Mitarbeiter*innen und schaffen positive Erinnerungen, aus denen sich schöpfen lässt, wenn wieder einmal Not am Mann oder der Frau ist.
5: Wünsche und Ziele für das kommende Jahr verbindet die Rednerin oder Redner am besten mit einer Würdigung und Anerkennung des bisher geleisteten sowie einem Dank an die Mitarbeiter*innen. Dabei kommt es auf das richtige Maß an. Probleme sollten nicht unter den Teppich gekehrt, sondern angesprochen werden, Ermahnungen oder gar Schuldzuweisungen gehören aber in keinem Fall in die Weihnachtsansprache.
6: Vergessen Sie niemanden. Wenn gelobt wird, möchte jeder seinen gerechten Teil davon abbekommen. Und wer – womöglich aus Unachtsamkeit – nicht erwähnt wird, fühlt sich missachtet und seine Leistungen nicht anerkannt. Das kann ganze Teams demotivieren und im kommenden Jahr zu enttäuschenden Ergebnissen führen. Haben Sie übrigens auch mal an die eigene Sekretärin, den Assitenten oder das Team der Kantine gedacht?
7: Faustregel: Je unbequemer die Situation, desto kürzer die Rede. Wenn also alle Hunger haben oder stehen müssen, sollten Sie es kurz machen. Wenige Minuten reichen hier. Möchten Sie zehn oder 15 Minuten sprechen, sorgen Sie für Bequemlichkeit und starten Sie erst nach der Vorspeise oder wenn alle schon ein Stück Stollen gegessen haben. Wenn Sie im Restaurant ein Menü essen, denken Sie daran, die Küche, beziehungsweise den Service über Ihren Redewunsch zu informieren.
8: Wie für andere Reden gilt auch hier: Lesen Sie möglichst nicht Wort für Wort ab, sondern machen Sie sich Stichworte, legen Sie das Blatt auf den Tisch, um bei Bedarf kurz einen Blick darauf zu werfen, und sprechen Sie dann so, als würden Sie sich – ganz persönlich – an eine*n einzelne*n Mitarbeiter*in wenden. Achten Sie darauf, Blickkontakt zur ganzen Tischrunde oder in alle Bereiche des Raums aufzubauen.
9: Sprechen Sie auf Augenhöhe. Vermeiden Sie Belehrungen oder Ansagen von oben herab. Ein bisschen Demut, eine Prise Selbstironie und ein Schuss Humor haben noch keinem Chef und keiner Chefin geschadet. Aber bleiben Sie authentisch: Wer auch sonst eher nüchtern auftritt, sollte sich jetzt nicht mutwillig als Witzbold präsentieren.
10: Nur zur Erinnerung: Für jede Rede gilt es, aktiv zu formulieren, Bürokratendeutsch zu vermeiden, bildhaft, lebendig und mit zahlreichen Beispielen zu sprechen und persönlich und konkret zu sein. Eher kurzen Sätze können die Zuhörer besser folgen, Schachtelsätze sind schnell unverständlich und bergen die Gefahr, dass der Redner sich im eigenen Satz verheddert. Legen Sie besondere Sorgfalt auf den Einstieg und den Schluss Ihrer Rede und denken Sie schon vorher über einen gefühlvollen oder vergnüglichen Schlusssatz nach.
Und wenn Ihnen für diesen Schlusssatz nichts richtig Gutes einfällt, dann greifen Sie eben doch auf den Knecht Ruprecht zurück. Nur Mut, der richtige Dreh wird Ihnen schon einfallen.