Eine Zeitung für das Allgäu

Print- und Onlinetexte für Eberl Medien und Eberl & Koesel

Die 1859 in Immenstadt im Allgäu als Zeitungsdruckerei gegründete Eberl Medien GmbH war Herausgeber der Tageszeitung »Allgäuer Anzeigeblatt«, ihre Tochtergesellschaft Eberl Print GmbH vielfach ausgezeichneter Anbieter von hochwertigen Druckprodukten wie Broschüren, Katalogen, Geschäftsberichten und Mailings für Kunden aus Industrie, Dienstleistung und Werbeagenturen. 2020 hat die Unternehmensgruppe die Druckerei Kösel GmbH & Co. KG aus Altusried-Krugzell übernommen und die beiden Druckstandorte zusammengeführt. 

2009 und 2019 habe ich für die Jubiläumsausgaben der Zeitung zum 150. und 160. Firmenjubiläum historische Texte recherchiert und geschrieben, außerdem ein Interview mit dem Geschäftsführer geführt und eine historisch geprägte Rede für die Jubiläumsfeier entwickelt und formuliert.

Bei der Übernahme der Druckerei Kösel habe ich die Presseinformation dazu betreut und später für die neue Webseite Innovations-Stories geschrieben. Die beiden Druckereien sahen sich als hochmoderne Traditionshäuser mit einer sehr langen Geschichte und sehr ähnlichen Vorstellung von hochwertigen Druckprodukten. Gemeinsam entwickelten sie neue, effiziente Angebote für Verlage, Agenturen und Produktionsbetriebe zu den Themen digitale Buch-Produktion, Batch-Produktion, Verpackung und Werbemittel und präsentierten sie auf ihrer Webseite.

Graphische Betriebe Eberl GmbH
später Eberl Medien GmbH & Co. KG und Eberl & Koesel

2009 bis 2021

Planung, thematische Themensammlung und Textung von Jubiläumsausgaben zum 150. und 160. Jubiläum des Allgäuer Anzeigers. Editorial, Interview und Redeentwurf für den Geschäftsführer

Presseinformationen zum Zusammenschluss mit der Druckerei Koesel und Webtexte über neue Angebote des Druckerei-Unternehmens

2009: Blick auf Geschichte und Selbstverständnis

Für die Jubiläumsveranstaltungen mit Kunden, Partnern und Mitarbeiter*innen habe ich einen historischen Rückblick erarbeitet, der dann in moderner und ansprechender Form präsentiert wurde. Aus dem Blick auf die Geschichte sollte sich das aktuelle Selbstverständnis offenbaren und beides mündete schließlich in die Präsentation des neuen Unternehmensauftritts. 

Für die Jubiläumsbeilage des Allgäuer Anzeigers habe ich aus dem gleichen Material sechs historische Berichte geschrieben sowie Infokästen zu historischen und aktuellen Druckmethoden wie Steindruck, Buchdruck, Bleisatz, Offsetdruck, Druckplatten, Fotosatz und Digitaldruck.

2019: Fokus auf Qualität und Kundenbindung

Zum 160. Jubiläum der Regionalzeitung lag der Fokus neben der Historie stark auf Zukunftsplanung und den Interessen von jungen Menschen, wie der Geschäftsführer in einem Interview betonte. Dieses Interview habe ich mit Ulrich Eberl geführt, außerdem ein Editorial formuliert und eine Doppelseite mit bebilderter Zeitleiste zu den historischen Eckpunkten von 1859 bis 2019  entwickelt.

Eine Zeitung für das Allgäu

Ein Auszug aus der historischen Rede: Der Start des Unternehmens vor 150 Jahren war so mutig wie holperig: Der Maler, Graveur und Vergolder Xaver Glötzle gründet eine Zeitung für das Oberallgäu, stellt sie nach wenigen Wochen ein, weil sich nicht genug Abonnenten finden und gründet sie kurz darauf erneut. Beim zweiten Mal schließlich mit Erfolg. 

Das Oberallgäu ist in der Mitte des 19. Jahrhundert eine verträumte, abgelegene Weltgegend. Die Bauern betreiben Milchwirtschaft auf ihren Einödhöfen. Die Industrialisierung, die gerade in ganz Europa in Fahrt kommt, ist weit weg und die Revolution von 1849 nur als fernes Donnern zu vernehmen. Dennoch: die Eisenbahnlinie zwischen Kempten und Lindau, die 1853 in Betrieb geht, rückt die Welt ein bisschen näher. Und in Immenstadt, das um diese Zeit knapp 1500 Einwohner hat, haben einige Familien auswärtige Zeitungen abonniert, etwa die liberale Augsburger Abendzeitung oder die konservative Allgäuer Zeitung. Großen Zuspruch finden auch eher unpolitische Wochenblätter wie die Gartenlaube mit ihren Fortsetzungsromanen, Novellen und Reportagen. 

Was Xaver Glötzle wirklich bewegt, eine Zeitung zu drucken, ist nicht überliefert. Ist er, wie viele andere auch, beflügelt vom Gründungsfieber der Zeit? Will er vor allem Geld verdienen? Womöglich ist er einfach ein neugieriger Geist, wie es in dieser Zeit viele gibt. Glötzle, auch Messner der Friedhofskapelle, druckt im Messnerhaus bereits Briefbogen und Postkarten nach eigenen Entwürfen auf einer einfachen Steindruckpresse. Zusammen mit Franz Offner, einem Rechtspraktikant am Landgericht, konzipiert er in wochenlanger Arbeit ein Wochenblatt und vervielfältigt es per Steindruck. Die erste Ausgabe des „Wochenblatts für die Landgerichtsbezirke Immenstadt und Sonthofen“ erscheint am 2. April 1859. Vier kleine Seiten. Ein Loblied auf das Allgäu und seine Menschen auf dem Titel; Inserate, geschäftliche Anzeigen, die Mehl- und Brottarife, der Eisenbahnfahrplan, Gewinnnummern der Lotterie; keine Politik, keine Nachrichten. 

Aber welche Mühe steckt darin: Für jeden einzelnen Abzug muss der Druckstein mit einem Schwamm angefeuchtet werden, dann die fettige Schrift eingefärbt und ein Bogen Papier angepresst werden. Und große Mühe bereitet die Zeitung auch den Lesern: Sie haben offenbar Schwierigkeiten, die vervielfältigte Handschrift zu lesen und abonnieren nicht genügend Exemplare, obwohl sich die beiden Zeitungsmacher auch intensiv um ihren Vertrieb kümmern. Glötzle stellt seine Zeitung ein. Allerdings nur, um nach Augsburg zu gehen und den Buchdruck zu lernen. Er kommt zurück, findet einen Geldgeber, kauft eine Stanhope-Handpresse für den Buchdruck und gründet seine Zeitung neu. Und jetzt hat er Erfolg. Die Zeitung mit den gedruckten Buchstaben kommt an. Die Auflage wächst kontinuierlich und die Leser sind ihrer Heimatzeitung treu.