Zwölf Tipps für gute Texte
Das Thema kling spannend, aber der Text liest sich wie eingeschlafenen Füße? Lahm, ohne Dynamik und steif? Das lässt sich mit richtiger Wortwahl und Satzstruktur verbessern. Hier sind zwölf nützliche Regeln, wie man Bilder im Kopf erzeugt:
1: Schreiben Sie konkret statt abstrakt. Bitte stellen Sie sich eine Pflanze vor. Geht nicht, weil Sie nicht genau wissen, was ich meine? Eine dunkelrote Rose? Geht besser, oder? Ein Vergissmeinnicht. Ein kleiner Strauß Schneeglöckchen. Da haben Sie ein klares Bild im Kopf. Und genauso funktioniert das bei Gebäuden, Tieren, Personen, Geräten oder Tonträgern. Schreiben Sie immer so genau und konkret Sie können.
2: Schreiben Sie über Menschen. Alles, was einem Menschen passiert, interessiert uns. Wir können es uns vorstellen und nachempfinden. Deshalb sind personalisierte Geschichten besser als allgemein formulierte. Erzählen Sie das Schicksal oder das Erlebnis eines Menschen so konkret und detailreich, wie möglich. Ihre Leser werden diese Geschichte „miterleben“ und selbst von einem auf viele Menschen schließen können.
3: Vorsicht mit Fachjargon und Fremdwörtern. Wenn Sie für ein Fachpublikum schreiben, können Sie Fachbegriffe verwenden. Werfen Sie aber nicht übertrieben mit dem Branchenjargon um sich. Für Leser*innen, die keine spezifischen Kenntnisse zum Thema haben, reduzieren Sie Fachbegriffe und Fremdworte auf das nötigste und erläutern Sie sie. Versuchen Sie, komplexe Zusammenhänge einfach zu strukturieren und anschaulich und bildhaft darzustellen.
4: Verben machen den Text lebendig. Benutzen Sie häufig Verben, sie machen Texte lebendig und treiben die Handlung voran. Wählen Sie Verben möglichst konkret und bildhaft (lachen, laufen, rennen, schreien, lieben, fürchten, hassen) und klingend (rascheln, knistern, zischen, brummen …). Blasen Sie Verben nicht künstlich auf (durchkonstruieren, abzielen …) und verwenden Sie nur selten Verben, die von Substantiven abgeleitet sind (problematisieren, beinhalten, erfolgen …).
5: Verwenden Sie kurze statt lange Wörter. Wählen Sie eher kurze, einfache Worte und lösen Sie zusammengesetzte Worte möglichst auf. Vermeiden Sie Hauptwortstarre und reduzieren Sie zusammengesetzte Substantive ohne bildliche Kraft (Innovationsdruck, Sicherheitsabhängigkeit, Optimierungspotential, Fachkompetenz …). Verwenden Sie stattdessen Substantive mit Bild und Eigenschaft (Starker Regen ist ein Wolkenbruch, leichter Regen Nieselregen).
6: Nominalstil wirkt aufgeblasen und steif. Nominalstil, das sind Sätze mit massenweise Substantiven. Substantivierung bedeutet, auch aus Verben Hauptwörter zu machen – die dann ein zusätzliches, oft eher schwaches Verb benötigen (Beschluss fassen statt beschließen, Besuch abstatten statt besuchen, Verabredung treffen statt verabreden). Nominalstil kennen wir aus der Verwaltung und aus Gesetzestexten – und wir mögen ihn dort nicht.
7: Adjektive vorsichtig benutzen. Adjektive sollen Substative näher beschreiben und präzisieren, sonst nichts. Das blaue Haus. Die blonde Frau. Seien Sie vorsichtig mit bewertenden Adjektiven wie attraktiv, dramatisch, großartig, erfreulich, wesentlich … Sie klingen schnell werblich und beschreiben nicht. Das bedeutet, dass sie das Bild im Kopf der Leser*innen nicht verbessern, sondern ihm nur Ihre eigene Bewertung überstülpen.
8: Passivkonstruktionen vermeiden. Viele Passivkonstruktionen machen einen Text sperrig und distanziert. Passiv-Sätze haben kein handelndes Subjekt und sind deswegen oft menschenleer (siehe Punkt 2). Der Passivsatz (Dem Theater werden die Mittel gestrichen.) kennt keine Verursacher, der Aktiv-Satz nennt hingegen Ross und Reiter (Die Landesregierung streicht dem Theater die Mittel.) Abhilfe: markieren Sie alle Sätzen mit „wurden“, „werden“, „wird“ in Ihrem Text und bauen Sie möglichst viele davon um.
9: keine Worthülsen, Floskeln und Redewendungen. „Bildhaft schreiben“ bedeutet, mit Wörtern Bilder malen und Szenen darstellen. Das geht aber nur mit frischen, ungewöhnlichen Formulierungen. Auf meiner persönlichen Streichliste der abgenutzten Redewendungen und Floskeln stehen: das Tanzbein schwingen, bis auf den letzten Platz besetzt, anwesende Mitglieder, zahlreiche Versammelte, attraktive Preise, dreiste Räuber, frecher Dieb, eine Träne verdrücken, fieberhafte Suche, Fahndung unter Hochdruck, Bild des Grauens.
10: Gute Zitate und wörtliche Rede verwenden. Zitate und wörtliche Rede machen einen Text buchstäblich lebendig. Wir können die Akteur*innen „hören“, erleben eine Ansprache oder einen Dialog quasi in Echtzeit mit und stecken direkt im Geschehen. Wörtliche Rede kann helfen, Charaktere und Situationen plastisch zu machen ohne dass wir im weiteren Text viel erläutern müssen.
11: Füllwörter im Korrekturdurchgang streichen. Füllwörter blasen einen Text künstlich auf und machen ihn schwammig und ungenau. Sie schwächen Aussagen – oft ungewollt – ab und sollten deshalb im Korrekturdurchgang auf ihren tatsächlichen Nutzen überprüft und reduziert werden. Meine Liste lässt sich sicher erweitern: nun, aber, auch, doch, jetzt, ja, also, auch, natürlich, noch, nämlich, rund, circa, eigentlich, wirklich, vielleicht …
12: Die Satzlänge steuert das Texttempo. Die meisten Sätze eines Textes sollten aus normalen deutschen Hauptsätzen bestehen: Subjekt – Prädikat – Objekt. Jeder Regelbruch stört den Lesefluss und lässt den Leser besondere Wichtigkeit vermuten. Deshalb sollte man ihn nur selten und mit gutem Grund einsetzen. Die Satzlänge steuert die Textschnelligkeit. Überraschungen und Aktionen brauchen kurze Sätze, Hintergründe und Erläuterungen etwas längere. Abwechslungsreich für den Leser ist eine Mischung aus kurzen und mittellangen Sätzen.
Vom Copy-Bullshit zu lebendigen Texten