Eine Rede strukturieren und schreiben
Jede Rede besteht aus vier Teilen:
- Anrede
- Einleitung
- Hauptteil
- Schluss

Anrede
Eine Rede beginnt immer mit einer Anrede. Dazu muss sich der Redner oder die Rednerin sehr genau überlegen, wie viel Nähe oder Distanz zum Publikum hergestellt werden soll. Dementsprechend ist die Anrede zu wählen, die von „Meine Damen und Herren!“ über das emphatischere „Meine (sehr) verehrten Damen und Herren!“ bis hin zum kühlen „Hochverehrte Anwesende!“ oder aber auch zum vertrauten „Liebe Freunde!“ reichen kann. Anbiederungen wie auch Brüskierungen sind dabei aber auf jeden Fall zu vermeiden, da sie sich negativ auf da Wohlwollen und damit auch die Aufmerksamkeit des Publikums auswirken.
Einleitung
Die Einleitung, die der Anrede folgt, lässt sich nutzen, um das Publikum zu motivieren. Dazu kann ein passendes Zitat ebenso gut dienen wie eine passende Anekdote. Wichtig ist dabei auf jeden Fall, dass man sich weder im Stil noch im Ton vergreift und trotzdem sofort einen lockeren Einstieg findet. Nichts ist leichter, als zu einem Publikum zu sprechen, das gleich mit der Einleitung schon zu einem Lachen motiviert wird. Solche Auflockerungen sind auch im Hauptteil der Rede von Vorteil.
Inhaltlich sollte die Einleitung auf den Hauptteil abgestimmt sein, so dass sie einen guten Einstieg in das Thema bietet, das anschließend vom Hauptteil erläutert wird. Die Einleitung hat somit die Aufgabe, die Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern, damit der Hauptteil aktiv aufgenommen wird. Allerdings sollte die Einleitung nicht bereits die Rede vorwegnehmen. Warum sollte das Publikum aufmerksam zuhören, wenn es schon von vornherein weiß, worauf die Ausführungen hinauslaufen?
Varianten für einen gelungen Rede-Einstieg
- Eröffnen Sie Ihre Rede mit einem Zitat oder Aphorismus, und stellen Sie dabei den Bezug zu Ihrem Thema her.
- Beziehen Sie sich auf ein aktuelles Datum oder Faktum, um daran Ihr Thema aufzuhängen.
- Starten Sie mit einer Anekdote oder einem passenden Witz.
- Beginnen Sie mit einem unerwarteten Kompliment an Ihre Zuhörer*innen.
- Heben Sie in einem der ersten Sätze Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Publikum hervor.
- Steigen Sie mit Bemerkungen zur aktuellen Lage ein, wobei Sie das Lokalkolorit nicht vernachlässigen sollten.
- Erzählen Sie etwas Interessantes aus der Geschichte
- Bringen Sie ein Anschauungsobjekt mit und zeigen Sie es zu Beginn mit einigen geschickt gewählten Einleitungsworten.
- Erzählen Sie eine selbst erlebte Geschichte, mit der Sie einen Bezug zum Thema herstellen können.
Hauptteil
Der Hauptteil bildet den Schwerpunkt der Rede. Hier geht es darum, das Anliegen des Redners oder der Rednerin gut strukturiert an den Mann oder die Frau zu bringen. Besonders gut gelingt dies, wenn bereits in der Einleitung ein Leitfaden erzeugt wurde, beispielsweise mit Hilfe eines Zitats oder einer Anekdote, auf die man sich immer wieder beziehen und die man als Richtschnur für das Entwickeln des Themas nutzen kann.
Schluss
Der Schluss der Rede besitzt eine große Wichtigkeit. Oftmals bleiben die letzten Sätze besser im Gedächtnis als die gesamten Ausführungen davor. Der Redner oder die Rednerin sollte deshalb das Anliegen in den letzten Sätzen noch einmal auf den Punkt bringen. Die HörerInnen sollte im übrigen von selbst merken, dass die Rede zum Schluss kommt. Sätze wie »Ich komme jetzt zum Schluss« wirken immer etwas hölzern. Möglichkeiten zum gelungenen Abschluss einer Rede bieten beispielsweise:
- ein Aufforderung zum Handeln
- eine Zusammenfassung der Ausführungen
- ein ausgewähltes Zitat, das die Meinung des Redners wiedergibt.
Anregungen für den Rede-Schluss
Beenden Sie Ihre Rede mit:
- einem Wunsch
- einer Hoffnung
- einem Zitat
- einer Anekdote
- einem Versprechen
- einem Ausblick in die Zukunft
- einer Aufforderung an die Zuhörer
- einer überraschenden oder erstaunlichen Begebenheit
- einer freudigen Überraschung für die Zuhörerschaft
Sehr geschickt ist es auch, Anfang und Ende der Rede zu verknüpfen, indem Sie am Ende wieder auf das am Anfang gesagte eingehen oder ein Zitat erneut aufgreifen.
Den wichtigsten Tipp hat der amerikanische Schriftsteller Mark Twain auf den Punkt gebracht: »Eine gute Rede hat einen guten Anfang und einen guten Schluss – und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen.«

Planung und Vorbereitungen für eine gelungene Rede
Bevor man überhaupt daran gehen kann, eine Rede auszuarbeiten, gilt es, einige informative und technische Fragen zu klären, die auf die Gestaltung der Rede grundsätzlichen Einfluss haben können. Sie werden nachfolgend in Form einer Checkliste aufgeführt:
Wichtige informative Fragen:
- Anlass und Rahmen der Veranstaltung
- Thema
- Redezeit
- Gesamtprogramm der Veranstaltung
- Eventuell erforderliche Abstimmung mit anderen Rednern*innen
- Themen, Redner*innen und der Verlauf eventueller vorangegangener Veranstaltungen
- Zeitpunkt der Veranstaltung
- Ort der Veranstaltung
- Vermutliche Zuhörerzahl
- Niveau der Zuhörer
- Mentalität der Zuhörer
- Eventuelle Ehrengäste
- Veranstaltungsleitung
- Geplante Diskussion(en)
- Besondere Wünsche der Verantwortlichen
- Wie wird der/die Redner*in vorgestellt?
- Was ist generell zu beachten?
- Ist die Presse anwesend?
Wichtige technische Fragen:
- Veranstaltungsort (Saal, Freiluft)
- Lärm- und Störquellen
- Herumlaufende Bedienung während der Rede?
- Beleuchtungsverhältnisse
- Rednerpult vorhanden?
- Bei größeren Räumlichkeiten: Lautsprecheranlage vorhanden?
Zu diesen grundlegenden Fragen kommen dann weitere wichtige Aspekte, die der/die Redner*in bedenken sollte.
- Passende Kleidung für Publikum und Anlass
- Gut lesbares Manuskript (soll die Rede verteilt oder abgedruckt werden?)
- Sonstige Hilfsmittel für spezielle Einlagen erforderlich und/oder sinnvoll
- Zettel mit den Namen aller wichtigen anwesenden Zuhörer sowie Ehrengäste
- Richtiger Stimmungsfaktor
Last but not least sollte man auch an eine gute eigene Körperverfassung denken. Alkohol sollte man erst nach der Rede zu sich nehmen und grundsätzlich sollte man wenn irgendwie möglich auch nicht allzu müde und damit automatisch unkonzentriert eine Rede halten wollen.
Hat man das alles im Auge behalten, kann man sich daran machen, die eigentliche Rede vorzubereiten.
Rede vorbereiten
Reden werden zu ganz unterschiedlichen Anlässen gehalten:
- im privaten Bereich wie zum Beispiel bei Geburtstagen, Hochzeiten oder Trauerfällen
- im betrieblichen Bereich bei Arbeitsantritten, Verabschiedungen, Beförderungen, Jubiläen oder Versammlungen aller Art
- in der Öffentlichkeit bei Versammlungen, Einweihungen oder Preisverleihungen
In allen Fällen ist eine umfangreiche Stoff- und Materialsammlung unabdingbar. Je mehr Informationen über den Anlass der Rede bzw. der anzusprechenden Personen vorliegen, desto leichter fällt es, eine passende Rede zusammenzustellen.
Trotzdem gibt es einige grundsätzliche Aspekte, die man immer wie einen Leitfaden als Anleitung für den Aufbau einer passenden Rede verwenden kann wobei hier je nach Anlass leichte Variationen sinnvoll sind.
Rede aus privatem Anlass
Man sollte sich beim Halten einer Rede im privaten Rahmen stets bewusst sein, dass die Rede die Stimmung der Gesellschaft nicht verderben sondern heben soll. Ein häufiger Grund für aufkommende Nachdenklichkeit und Sentimentalität liegt in der vergangenheitsbezogenen inhaltlichen Ausrichtung. Man erzählt zu viel aus der Vergangenheit, anstatt einen Bezug zur Zukunft herzustellen. Schließlich hat auch ein älterer Jubilar noch Wünsche, Träume und Pläne, die es herauszuarbeiten gilt. Rückblicke sind natürlich nicht verpönt; schließlich ist oft etwas Zurückliegendes der Anlass für die Feier. Trotzdem sollte die Rede so gestaltet werden, dass bei allen Rückblicken nicht der Ausblick in die Zukunft vergessen wird.
Für eine private Rede sind deshalb folgende Teile sinnvoll:
- Anrede
- Anlass der Feier
- Dank für die Einladung oder das Kommen der Gäste
- Herausstellen der zu ehrenden Personen
- Eventuell eine kurze Rückbesinnung mit Brückenschlag zu Zukunft
- Was kann oder mag die Zukunft bringen?
- Was wünschen oder hoffen wir?
- Abschließende Aufforderung zum Toast oder Abschluss mit einem Dank und
- guten Wünschen
Rede aus beruflichem Anlass
Für die Rede aus beruflichem Anlass gilt vieles dessen, was über die private Rede gesagt wurde. Besondere Beachtung gilt dabei aber auch dem Verhältnis zwischen Redner*in und Anlass bzw. anzusprechender Person.
Man sollte zu keinem Zeitpunkt vergessen, dass nach der Feier wieder der Alltag einkehren wird und sowohl der/die Redner*in als auch die ggfs. angesprochene Person sich an dem messen lassen müssen, was in der Rede eventuell etwas arg überschwänglich gesagt wurde.
Zehn Regeln für eine Antritts-Rede
Wenn Sie ein Amt oder eine neue Position antreten, wird von Ihnen regelmäßig eine Antrittsrede erwartet. Sie können diese nutzen, um Ihre Interessen und Ansichten darzustellen, aber auch sich selbst.
- Nehmen Sie Ihre Antrittsrede ernst, denn bei Ihrer Antrittsrede müssen Sie mit großer Aufmerksamkeit rechnen, weil Ihr Publikum neugierig auf Sie ist.
- Sorgen Sie für den richtigen Rahmen, indem Sie sich für Ihre Rede Zeit nehmen und auch Zeit einplanen, um anschließend eventuell noch einige Einzelgespräche führen zu können.
- Zeigen Sie sich im besten Licht und achten Sie auf passende Kleidung.
- Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten, denn Gemeinsamkeiten verbinden.
- Klären Sie vorher für sich selbst Ihr Redeziel und stellen Sie dieses deutlich heraus.
- Loben Sie was vor Ihnen war und formulieren Sie vorsichtig neue Wege und Ziele. Denn mit Ihnen beginnt keine neue Zeitrechnung. Andererseits wollen Sie auch nicht auf der Stelle treten, sondern müssen eine Weiterentwicklung Unterstützung.
- Versprechen Sie auf gar keinen Fall etwas, was Sie später nicht halten können.
- Bleiben Sie glaubwürdig. Müssen Sie in absehbarer Zukunft negative Nachrichten überbringen, dann tun Sie es sofort und nutzen Sie die Gunst der Stunde darüber hinaus positive Entwicklungen, Pläne und Maßnahmen aufzuzeigen.
- Lassen Sie sich nicht vor fremde Karren spannen, indem Sie sich zum Spielball fremder Interessen machen lassen. Es ist Ihre Antrittsrede. Sagen Sie das, was Sie sagen möchten. Andere sollen für sich selbst reden.
- Erhalten sie sich Ihre Gestaltungsfreiheit, indem Sie sich nicht durch absolute Aussagen für die Zukunft festlegen. Bleiben Sie offen für Abweichungen von Ihrer Linie, ohne dabei eine 180-Grad Wendung machen zu müssen.
Rede in der Öffentlichkeit
Auch die Rede in der Öffentlichkeit orientiert sich an dem bisher gesagten. Einen Sonderfall bildet dabei jedoch die Rede anlässlich eines Todesfalls, die immer etwas heikel ist.
Rede anlässlich eines Todesfalls
Bei der Rede anlässlich eines Todesfalls ist zum einen auf die Pietät und zum anderen auf eine angemessene Kürze der Rede zu achten. Dabei ist es hierzulande üblich geworden, den Toten in einer Grabrede direkt anzusprechen, obwohl man sich eigentlich fragen sollte, ob es nicht besser ist, sich statt dessen an die Trauernden zu wenden, denn schließlich sind sie es, die des Trosts bedürfen.
Ganz wichtig bei einer Trauerrede ist der Ton. Wie der Redner spricht ist oftmals wichtiger als das, was er sagt. Gerade bei einer Trauerrede spielen Gefühle eine ganz große Rolle.
Für die Vorbereitung einer Rede können die nachfolgenden Fragen behilflich sein:
- Wie stand der Redner/die Rednerin zum Toten?
- Was bedeutete der/die Verstorbene dem Redner/der Rednerin, der Familie, der Firma, dem Verein?
- Was kann die Trauernden trösten?
- Wie kann man den Trauernden helfen? Wer kann helfen?
- Kann eine biblische Aussage angeführt werden? Hierbei ist jedoch auch das Verhältnis des Toten zum Glauben zu berücksichtigen.